Sonntag, 24. April 2011

Farbe bekennen

Fast könnte man denken, mir ginge es nur darum, Feministinnen und Anhängern der Theorien Gesells und Martins ans Bein zu pinkeln. Um so etwas zu denken, müßte man aber alle bisher erschienenen Artikel gelesen haben. Wer macht das schon? Blogs führen gewöhnlich eine Blogroll, mit deren Hilfe man die ideologische Ausrichtung und die verhandelten Gegenstände mit einem Blick erfassen kann. Das erleichtert die Bewertung des Blogs durch seine Leser. Soll der Leser sich feindselig stellen oder Partei ergreifen? Das muß der Leser schnell herausfinden können. Ohne dieses Vorurteil wird die Lektüre langweilig. Sich von unbekannten Standpunkten überzeugen zu lassen, ist nämlich anstrengend. Stets braucht der Leser die Zustimmung von Überzeugungsgemeinschaften, deren Autorität er anerkennt. Ist aus dem Zusammenhang nicht ersichtlich, welchen Überzeugungen der Blogautor anhängt, kann der Leser auch seine Artikel nicht einordnen, und wird sie vorsichtshalber ablehnen.

Genug der Einleitung. Ich will ja keine Doktorarbeit schreiben. Hier ist der erste Entwurf für eine erste Blogroll. Sie soll folgende Blogs enthalten.

Der erste Eintrag gehört einer akademisch ausgebildeten Putzfrau. Frau Mop schreibt launisch und fröhlich über die Erfahrungen und Zumutungen in der kapitalistischen Welt.

Darauf aufmerksam gemacht hat mich flatter von feynsinn.org. Gewöhnlich kommentiert er das Tagesgeschehen aus sozialdemokratischer Sicht. Dabei meine ich natürlich die Sicht, die man ursprünglich den Sozialdemokraten zuordnete, und nicht die, die die SPD für eine sozialdemokratische Sicht hält.

Elise Hendrick berichtet über problematische Zustände in unserer Gesellschaft. Dabei geht sie der Konfrontation nicht aus dem Wege, z.B. mit den Sturmabteilungen bei der Zeitschrift BeHämmert. Es wäre schön, wenn Juden sich endlich wieder eine Kippah aufsetzen könnten, ohne daß man sie für araberhassende zionistische Siedler hielte, nur weil paranoide Ideologen, die anscheinend in stalinistischen Umerziehungslagern ein Praktikum absolviert und dort ihr Handwerk gelernt haben, das Judentum und den Holocaust für ihre Zwecke gnadenlos verheizen. Etwas Geduld muß man haben. Elises Beiträge erscheinen in großen Abständen und nicht immer in einer Sprache, die man versteht.

Der Blogjournalist an und für sich ist der Spiegelfechter. Stets gut informiert und interessant schreibt er aus im o.g. Sinne sozialdemokratischer Sicht über Themen aus der Hohen Politik. Es gibt anscheinend nichts aus diesem Bereich, worüber er keine Meinung hätte und nicht interessant berichten könnte.

Kann es wahr sein, daß so etwas Technisches wie Betriebssysteme Begeisterung weckt? Doch, man muß dazu nur den Horizont erweitern, und sich nicht nur für die rein technischen Fragen interessieren sondern auch für Fragen der Folgen technischer Innovation auf Datenschutz, Bürgerrechte, Bildung, Urheberrecht. Da gibt es einen spleenigen Kauz, der genau das dem Publikum nahebringt. Für sich akzeptiert er nichts, was er nicht selbst programmiert hat. Er benutzt seine eigene Webserver-Software, lehnt PHP und Java ab. Von ihm stammen eine radikal minimalisierte C-Standardbibliothek und eine Imitation Dan Bernsteins Bibliotheken. Das Publikum hätte nichts von seinem Blog, wenn er sich nur damit beschäftigen würde. Er trägt aber aus aller Welt Meldungen zusammen, die die Entwicklungen auf den o.g. Nebengebieten dokumentieren. Sein Sprachstil ist ziemlich polemisch und sein Blog gilt daher und wegen der Knappheit der Meldungen schon als die "BILD-Zeitung" für Computerspezis.

Was jemand willentlich verbergen will, sei es vor anderen, sei es vor sich selber, auch was er unbewußt in sich trägt: die Sprache bringt es an den Tag. schrieb einst Victor Klemperer in sein berühmtes Buch LTI. Martin Haase behandelt manipulierende Begriffsbildungen der Massenmedien und Politik. Sprachkritik ist auch Gegenstand des Blogs von Klaus Jarchow.

Von Zeit zu Zeit erleben wir, wie in von Massenmedien inszenierten Hetzkampagnen die Kultur der Einwanderer moralisch abgewertet wird. Die Moslems seien messerstechende, ehrenmordende, weiberfolternde, rassisch - Verzeihung: genetisch - minderwertige, sich wie Karnickel vermehrende Monster, denen die Bürgerrechte nicht zustehen, weil sonst die westliche Zivilisation an ihnen zu Grunde gehen würde. So steht es in den Zeitungen und dröhnt es aus Talkshows. Wie gut, daß es das Internet gibt. Kübra Gümüsay beschreibt muslimisches Leben in Deutschland realistischer als die Qualitätsmedien. Für die nichtmuslimische Mehrheitsgesellschaft bietet Hakan Turan gute Erklärungen zum Islam. Da sieh mal, Sarrazin, Ulfkotte und all die anderen! Wer hätte gedacht, daß ich mich mit Islam auseinandersetze? Wollt ihr nicht mal eine Hetzkampagne gegen die Zeugen Jehovas starten, damit deren Anhänger nicht bei jedem Wetter an Straßenecken Wachtürme verschenken müssen?

Ach, es gibt so viele schöne Blogs, die man noch anführen könnte!

Ergänzung (27. April 2011): Ist Euch auch schon einmal aufgefallen, daß die Suchmaschine von Google früher schon einmal besser war? Dann bedankt Euch u.a. bei diesen Leuten! Aus rein wissenschaftlichem Interesse werde ich jetzt dieser Sache auch nachgehen.

Kommentare:

Tim Krischak hat gesagt…

Interessanter Gedanke, dass die Blogroll auch hilft, die Position des Blogautoren schneller deuten zu können.

"Ist Euch auch schon einmal aufgefallen, daß die Suchmaschine von Google früher schon einmal besser war? Dann bedankt Euch u.a. bei diesen Leuten!"

Was meinst Du denn damit?

georgi hat gesagt…

Hallo Tim!

Blogparaden, -karnevals und ähnliches dienen dazu, das Suchergebnis von Google zu seinem Gunsten zu beeinflussen. Das finde ich rücksichtslos. Das ist ja so, als ob ich mich an einer Schlange vorbeidrängeln würde. Das gilt erst recht für Leute, die eigentlich nicht viel zu sagen haben, und damit Suchmaschinennutzer nerven.

Andererseits verbessert auch mein wissenschaftliches Interesse nicht das Suchergebnis.

serdargunes hat gesagt…

Hab Dich sogleich in meinem Blogroll aufgenommen :)

georgi hat gesagt…

Danke!

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