Mittwoch, 29. Juni 2011

Der grüne Matriarchalismus

Zunächst möchte ich meine Leser auf diesen Vortrag von Frau Prof. Wirth aufmerksam machen. Es handelt sich um einen etwa 2.5-stündigen Vortrag. In ihm geht es um die Frauenfrage und die verkehrte Sicht der Feministen. Ich bedanke mich beim anonymen Kommentator für den Hinweis.

Techniker, Ingenieure und Vertreter der exakten Wissenschaften verspüren instinktiv einen Widerwillen gegen feministische Theorien. Feministische Theorien schließen sich an philosophische Systeme an, die von diesen Gruppen nicht verstanden werden. Zu esoterisch und damit zu vernunft- und wissenschaftsfeindlich, zu unverständlich sind deren Aussagen. Und zu anmaßend, dogmatisch treten Feministen auf. Selbst Feministen bemerken jedoch alle diese Probleme ausgerechnet am von mir so genannten grünen Matriarchalismus, über den Antje Schrupp erst kürzlich berichtete. An ihren Bericht schloß sich eine umfangreiche und interessante Diskussion an, an der sich auch einige Vertreter des grünen Matriarchalismus beteiligten. Die heftige Kritik von Feministen finde ich sehr erstaunlich. Natürlich treten einige grüne Matriarchalisten dogmatisch und autoritär auf, und bezeichnen sich oft als spiritualistisch, bekennen sich also unverhohlen zu Vernunft- und Wissenschaftsfeindschaft, und finden nichts dabei, okkulte Rituale zu praktizieren. Aber ausgerechnet im grünen Matriarchalismus findet man einen Anflug von Rationalität. Grüne Matriarchalisten verwenden in der Regel einen sinnvollen Begriff vom Patriarchat, was im Feminismus nicht selbstverständlich ist. Sie wissen auch, daß das Patriarchat sich in der Frühzeit der Menschheit herausgebildet hat, und, daß die längste Zeit die Menschen ohne das Patriarchat auskamen. Die Kritik am Patriarchat wird allerdings verkürzt, und läuft dann eben doch nur auf die Feindschaft gegen das männliche Geschlecht hinaus.

Groß ist der Mensch. Sein Verstand stiftet ihn dazu an, seine Umwelt seinen Bedürfnissen anzupassen und zu verändern. Er hat seine gesamte Lebensumwelt neugeschaffen. Er wohnt in Häusern, betreibt Landwirtschaft, fertigt seine Kleidung, die ihm hilft, in den gemäßigten Klimazonen zu überleben. Er erfindet, denkt, plant und handelt. Er schuf komplexe Theorien über sich und die Welt. Jedoch ist der menschliche Geist nicht dazu bestimmt, Differentialgleichungen zu lösen und Raketen zu bauen. Sinn und Zweck menschlichen Geistes ist die Organisation menschlicher Gesellschaft. Deshalb beeinflußt nicht nur Rationalität sondern auch Irrationalität menschliches Denken. Er beschäftigt sich mit Moral, stellt soziale Ansprüche an sich und seine Gesellschaft, bewertet alle Gegenstände, mit denen er sich beschäftigt, nach moralischen Maßstäben, und entwickelt eine emotionale Beziehung zu ihnen. Er teilt sie in Dinge ein, die ihm nützen, solche, die ihm schaden, und solche, die er bekämpfen muß.

Menschen denken nicht nur rational. Sie träumen auch. Zum Beispiel von einer besseren Welt, einer Welt ohne Ausbeutung, ohne Umweltzerstörung, von einer Gesellschaft, in der die Menschen ohne Beziehungskrisen miteinander auskommen, in der Frieden herrscht, und Gewalt und Armut aus ihr verbannt sind. Auch Techniker, Ingenieure und exakte Wissenschaftler träumen davon. Und sie träumen Menschheitsträume, Träume von ewiger Jugend und Gesundheit, von der Weltformel, die alles erklären kann, von Reisen zum Mars. Und sie träumen von gesellschaftlicher Anerkennung, die sie antreibt, diese Träume zu verwirklichen. Im Unterschied zu Grünen, Feministen und Esoterikern wissen aber Techniker, Ingenieure und exakte Wissenschaftler, daß man hart arbeiten muß, um Menschheitsträume verwirklichen zu können. Aus Erfahrung wissen sie, daß der Wert ihrer Erfahrung und ihres Spezialwissens davon abhängt, inwieweit sie den subjektiven Faktor, d.h. Moral, soziale Ansprüche, Wunschvorstellungen, emotionale Beziehung zum Gegenstand und jede andere Art Irrationalität zurückdrängen. Diese Gruppen verlangen nach klaren Begriffen und präzisen Beweisen, und lehnen Spekulationen und die meisten philosophische Systeme ab.

Auf den ersten Blick erscheint die Praxis asozial, Wissenschaft vom subjektiven Faktor freizuhalten. Emotionale Beziehungen zu Verstandesgegenständen führen aber im günstigsten Falle zu selektiver Wahrnehmung von Argumenten und Fakten, indem sie in moralisch einwandfreie und bedenkliche klassifiziert werden. In schlimmeren Fällen wirkt diese emotionale Beziehung destruktiv. Die alte Maxime "Töten, um zu leben" schützt die Menschheit vor ihren Feinden, aber gebiert auch das Ressentiment, und den Menschenhaß, wenn sich das Ressentiment gegen Teile der Menschheit richtet. Nun, niemand hat verlangt, daß Du Deinen Gegenstand hassen sollst. Aber aufgepaßt! Diese Maxime pflegt, sich gut zu verstecken. Die Maxime heißt auch "Liebe", Liebe für das Vaterland zum Beispiel, die Fremdenhaß bedeutet. Sie nennt sich gern "Empathie für Opfer". Da, wo es Opfer gibt, gibt es nämlich auch Täter. Täter vernichten Opfer, wenn sogenannte Täterschützer den Mob davon abhalten, die Täter zu vernichten. Opfer haben das Recht zur Notwehr. Sie dürfen Dinge tun, die den übrigen Mitgliedern der Gesellschaft nicht gestattet sind. Und sie haben ein Anrecht auf Unterstützung. Und die kommt wie von selbst. Sich einem Mob anzuschließen, schafft nämlich soziale Anerkennung und Identifikation. Vollkommen ehrenwert gelten die Taten dieses Mobs, die unter gewöhnlichen Umständen geächtet wären.

Grüne, Feministen und Esoteriker fordern den subjektiven Faktor in der Wissenschaft. Sie betreiben ihrer Meinung nach radikale Kritik am "System", an der Gesellschaft, wollen ihre Identität als bürgerliches Individuum, also als Mitglied ebendieser Gesellschaft, aber nicht in Frage stellen. Die gesellschaftlichen Normen, Vorurteile, das Selbstbild darf bei aller Radikalität nicht angetastet werden. Typisch für diese Radikalinskys ist daher eine Dichotomie, bei der das bürgerliche Subjekt die bürgerliche Gesellschaft bekämpft. Bekanntestes Beispiel sind gewisse Anhänger Gesells Zinskritik. Sie geben vor, gegen den Kapitalismus zu kämpfen. Der Zins gilt ihnen als leistungsloses Einkommen. Die Bezeichnung "leistungsloses Einkommen" legt nahe, daß dieses Einkommen moralisch nicht gerechtfertigt sei, weil es nicht durch "ehrliche Arbeit" erarbeitet wurde. "Ehrlich erarbeitet" hätten ihr Einkommen nur Unternehmer in der Realwirtschaft, die Arbeit & Wohlstand schüfen. Diese Anhänger kämpfen für die "Marktwirtschaft", die ihrer Meinung nach ganz was anderes ist, als Kapitalismus. In dieser "Marktwirtschaft" verdienten die Menschen ihr Einkommen alle durch "ehrliche Arbeit". Das alles ist nichts anderes als die kapitalistische Arbeitsideologie, die gesellschaftliche Norm des bürgerlichen Subjekts. Diese vorgeblichen radikalen Gesellschaftskritiker sind also die entschiedensten Verteidiger des kapitalistischen Gesellschaft.

Die Radikalinskys prägen für "die Gesellschaft" zwei Begriffe. Der eine Begriff charakterisiert die Gesellschaft moralisch abwertend. Gesellschaft nennt sich "Patriarchat" oder "Kapitalismus". Gegen diese Gesellschaft richtet sich radikale Kritik. Sie selbst identifizieren sich mit einem anderen Begriff, der eine Utopie oder ein Ideal bezeichnet und sich "Matriarchat" oder "Marktwirtschaft" nennt. Die Maxime lautet nun "Töte, um zu leben!". Dazu muß dem moralisch abgewerteten Gesellschaftsbegriff eine gesellschaftliche Partei zugeordnet werden. Begriffe können sich ja schlecht einander bekämpfen. So kommt es zur Personalisierung der Begriffe. Jetzt handelt diese Partei, die den positiv bewerteten Begriff repräsentiert, nach der Maxime "Töte, um zu leben!", und ruft den Mob zu Hilfe, um die Partei zu vernichten, die dem negativen Gesellschaftsbild entspricht. Gewisse Anhänger Gesells Zinskritik aber auch viele Globalisierungskritiker personalisieren den Kapitalismus im Juden, im überbezahlten Manager, im Bänkster. Die Rede ist dann vom "strukturellen Antisemitismus". Diese Rede übernehme ich aber höchst ungern, da ich die dabei zugrunde liegende Erklärung für den europäischen Antisemitismus zu einfach und zu unspezifisch finde. Feministen identifizieren in den Männern das Patriarchat. Diese personalisierte Feindschaft gegen ein Gesellschaftsbild gefährdet aber nicht nur die angefeindeten Personengruppen, sondern führt auch zu paradoxen Allianzen, sogenannten Querfronten. So bringen es angeblich antikapitalistische Linke fertig, sich mit den entschieden den Kapitalismus verteidigenden Kräften an der rechten Seite des politischen Spektrums zu verbrüdern, weil sie dieselben Feinde bekämpfen.

Grüne Matriarchalisten setzen dem Patriarchat die Utopie einer Weiberherrschaft entgegen, die es ihrer Meinung nach vor Urzeiten schon einmal gegeben haben soll. Diese Weiberherrschaft, das sogenannte Matriarchat, wünschen sie sich zurück. Dieses Matriarchat statten die grünen Matriarchalisten mit allen Merkmalen aus, die sie an der Gesellschaft wertschätzen. Das sind z.B. kulturelle Leistungen, hier dargestellt von Frau Dr. Kirsten Armbruster im folgenden Kommentar:

Die ersten und die elementar wichtigen Kulturleistungen wurden ebenfalls im mütterlichen Umfeld entwickelt. So finden wir die ältesten Bestattungen eine Kulturleistung, die uns von den Tieren unterscheidet schon 100 000 v. u. Z.. Das Feuer, was bis heute als Herdfeuer den Müttern zugeordnet wird, ist eine mütterliche Entdeckung. Die Sprache als Muttersprache die ich bereits erwähnt habe die Medizin aus Pflanzen, die sich aus dem Erfahrungsschatz des weiblichen Kollektivs entwickelt, die Kunst in den Höhlenmalereien, die wie Marie König genau beschrieben hat, einen mütterlichen Kosmos wiedergeben, einschließlich der Hörneranalogien mit den drei Phasen der Mondin, die Urmütterfigurinen von Tan Tan, von Berekhat Ram, vom Hohle Fels, von Laussel, von Dolni Vestonice, von Avdeevo, von Willendorf, von Lespugue, um nur einige aus dem Paläolithikum zu nennen. Aus der heiligen Menstruation heraus, wurde von den Müttern die ersten Kalender entwickelt. Dann um 11 000 v. u. Z. entsteht im mütterlichen Umfeld in Japan die erste Keramik, dann mit Beginn des Neolithikums und der Sesshaftigkeit entwickelt das Kollektiv der Frauen die ersten domestizierten Pflanzen, dann die Kunst des Spinnens und des Webens und schließlich wird auch die erste Schrift im mütterlichen Umfeld entwickelt, nämlich die Vincaschrift im Donauraum, eine sakrale Schrift auf Spinnwirteln und um das Umfeld von Hausaltären, die 2000 Jahre älter ist als die sumerische Keilschrift.
Ich hoffe, daß diese Fakten zutreffen. Ganz sicher bin ich mir da nicht. Zum Beispiel streiten sich die Gelehrten noch immer um die Bedeutung der Vinca-Zeichen. Ob diese Zeichen eine Schrift darstellen, oder überhaupt etwas bedeuten, und was sie bedeuten, wenn sie was bedeuten, hat sich nach meinem Kenntnisstand noch nicht feststellen lassen. Leider ging mit der Entwicklung menschlicher Kultur auch die Zerstörung der Natur einher. Für den Ackerbau mußten Flächen gerodet werden, diese Rodungen führen zu Bodenerosion, Viehzucht führt zu Überweidung, künstliche Bewässerung zur Bodenversalzung. So geht es weiter bis zum heutigen Tage. Diese mit den positiven Seiten eng zusammenhängenden negativen Seiten werden dem Patriarchat angelastet:
Das Patriarchat und die Überhöhung der Vaterschaft gibt es erst seit circa 6000 Jahren, und diese Überhöhung der Vaterschaft, diese Herrschaft der Väter hat der Welt überwiegend Zerstörung gebracht.
Hier erkennen wir sehr deutlich die schon angeführte Dichotomie des Gesellschaftsbildes. Diese Dichotomie, mit der Idealisierung des Matriarchats auf der einen Seite als Gegenkonzeption zum Patriarchat auf der anderen Seite führt zu Wirklichkeitsverzerrung und damit zu Unwissenschaftlichkeit. Gabriele Mirhoff bringt die Illusionen der grünen Matriarchalisten sehr schön auf den Punkt, in dem sie, wie sie angibt, David Signer zitiert:
Interessant am Kongress in Texas waren die Beiträge von Vertreterinnen aus «matriarchalen» Gesellschaften. Interessant auch deshalb, weil sie die Verallgemeinerungen der Veranstalterinnen durch ihre konkreten Berichte oft relativierten. So zeichnete etwa eine Vertreterin der Khasi in Indien ein Bild ihres immer wieder als matriarchales Paradebeispiel zitierten Volkes, das nicht gerade Göttner-Abendroths Ideal entsprach.

Die Khasi sind nicht demokratisch, stellte sie lakonisch fest. Es herrscht eine ausgeprägte Oligarchie, nur gewisse Clans haben Zugang zur Macht. Es gibt grosse Spannungen zwischen den Geschlechtern; die Männer empfinden die Matrilokalität als drückend, wo sie unter der Kontrolle ihrer Schwiegerfamilie leben müssen. Sie versuchen ausserhalb der Khasi zu heiraten. Die Scheidungsrate ist hoch und häusliche Gewalt alltäglicher als in allen anderen Gesellschaften der Region; Alkoholismus auch. «Matriarchat», sagte die Khasi-Frau, ist ein patriarchaler Ausdruck (generalisierend, totalisierend, polarisierend). «Man sollte zuerst einzelne Kulturen studieren und dann verallgemeinern, und nicht umgekehrt.

Wie man am vorletzten Satz deutlich erkennt, hängt Gabriele Mirhoff bzw. David Singer selbst feministischen Überzeugungen an. Offenbar stört sie die Begleiterscheinungen wissenschaftlichen Arbeitens, wie die Einführung neuer Termini, die natürlich das Denken in totalisierender, generalisierender Weise beeinflussen können. Kritisiert sie zwar den grünen Matriarchalismus für dessen idealisierte Sicht auf vor-pariarchalische Gesellschaften, fordert aber selbst den "subjektiven Faktor". Und natürlich lastet sie das angebliche Problem dem Patriarchat an. Typisch feministisch ist auch die Projektion ihrer Feindschaft auf die sie umgebende Gesellschaft, die ihre Feindschaft als Notwehr gegen die durch ihre Feindschaft ausgelösten Reaktionen hinstellt. Nicht der Begriff "Matriarchat" oder die Wissenschaft polarisiert sondern Feminismus.

Kommentare:

Starosczyk hat gesagt…

„Er beschäftigt sich mit Moral, stellt soziale Ansprüche an sich und seine Gesellschaft, bewertet alle Gegenstände, mit denen er sich beschäftigt, nach moralischen Maßstäben, und entwickelt eine emotionale Beziehung zu ihnen. .. Und sie träumen von gesellschaftlicher Anerkennung, die sie antreibt, diese Träume zu verwirklichen.“

Wenn „sie“ Frauen und Männer meint, dann ist zu ergänzen: Bei diesen Träumen befinden sich Frauen grundsätzlich im Exil, auf dem feindlichen patriarchalisierten Terrain, der die Frauen als Dienerinnen des Mannes definiert (s. Bibel: Legitimationsquelle des Patriarchats).

Max Weber würde in etwa sagen: Die Wert-Schätzung des Wissenschaftlers ist sein Ausgangpunkt. F. Bacon („Wissen ist Macht“), Grundpfeiler des Empirismus, setzt auf den Supermann. Ich nicht.



Den Vortrag von Frau Prof. Wirth fand ich auch interessant. Die Bezeichnung „Rabenmutter“ finde ich auch schrecklich, weil so von der Frau als Mutter etwas gefordert wird, was ihre Lebenszustände nicht zulassen. Es ist „patriarchal“, wenn „Zwänge als subjektive moralische Auflage“ – wie im Kapitalismus konzipiert – verstanden werden.

In Deinem Text von dem „grünen Matriarchalismus“ konnte ich viele interessante Gedanken finden. Hier Ausschnitte aus Deinen Gedanken, die mich beim Lesen auf viele Fragen gebracht haben:




„Natürlich treten einige grüne Matriarchalisten dogmatisch und autoritär auf, und bezeichnen sich oft als spiritualistisch, bekennen sich also unverhohlen zu Vernunft- und Wissenschaftsfeindschaft, und finden nichts dabei, okkulte Rituale zu praktizieren.
Patriarchat sich in der Frühzeit der Menschheit herausgebildet hat, und, daß die längste Zeit die Menschen ohne das Patriarchat auskamen.

Groß ist der Mensch. Sein Verstand stiftet ihn dazu an, seine Umwelt seinen Bedürfnissen anzupassen und zu verändern.

Menschen denken nicht nur rational. Sie träumen auch. Zum Beispiel von einer besseren Welt, einer Welt ohne Ausbeutung, ohne Umweltzerstörung gesamte Lebensumwelt neugeschaffen.

Auch Techniker, Ingenieure und exakte Wissenschaftler träumen davon.

Grüne, Feministen und Esoteriker fordern den subjektiven Faktor in der Wissenschaft. Sie betreiben ihrer Meinung nach radikale Kritik am "System",

Feministen identifizieren in den Männern das Patriarchat.

Grüne Matriarchalisten setzen dem Patriarchat die Utopie einer Weiberherrschaft entgegen, die es ihrer Meinung nach vor Urzeiten schon einmal gegeben haben soll.

Und natürlich lastet sie das angebliche Problem dem Patriarchat an. Typisch feministisch ist auch die Projektion ihrer Feindschaft auf die sie umgebende Gesellschaft, die ihre Feindschaft als Notwehr gegen die durch ihre Feindschaft ausgelösten Reaktionen hinstellt.“




Prof. Berger http://www.youtube.com/watch?v=1Ks_CAbL4ro kratzt am Patriarchat aus einer anderen Perspektive (nicht patri-matri sondern Geld oder Leben!), die wegen der verquickten Problemlage auch gesehen werden muss.

Ich hoffe, Du wirst mir nicht „okkulte Rituale“ vorwerfen, wenn ich Dir sage: bald zu „Schnitterin“ werde ich mit viel Genuss eine Schere in die Hand nehmen und abschneiden….

georgi hat gesagt…

Starosczyk! Du willst mich wohl ärgern.

Wer die 1.5h aufgebracht haben sollte, und das Video sich angesehen hat, der möge bitte hier und hier seinen Geist wiederaufrichten.

Starosczyk hat gesagt…

Ich habe von Dir gehört: „Den zinsverursachten Wachstumszwang gibt es .. nicht.“ Und Andere (Jean Ziegler neben Berger) http://www.germanwatch.org/zeitung/2005-4-ziegler.htm sagen: „Die zerrissenen, blutüberströmten Körper junger Menschen, die auf Tragbahren bei Dhiba über die südtunesische Grenze in die Hilfslazarette von Gabès kommen, wollen mir nicht aus dem Sinn. .. Ich bewundere Ihren geduldigen, mutigen Kampf gegen die kannibalische Weltordnung. Die Aufklärung ist ein langer, mühsamer Prozess. Unsere Gegner erscheinen zur Zeit übermächtig. Aber Che Guevara sagt: „Auch die stärksten Mauern fallen durch Risse“. Du sagst: „Von Zeit zu Zeit führe das Zinssystem einen riesigen Kladderadatsch herbei so wie 1929 die Weltwirtschaftskrise. Nun sei es wieder Zeit dafür.“ Zu dieser Zeit bekam mein Ur-Ur-Groß-Vater, der mit seinem Ersparten sich eine Gärtnerei kaufen wollte, für sein Erspartes ein Paar Hausschuhe und versaufte sich anschließend zum Tode. Für viele Leute, die real unter dem „Kladderadatsch“ leiden oder sogar sterben, ist die reale Zins-Gier (erklärt vom Prof. Berger) kein kleiner „Schub“.

Du sagst: „Wenn Jesus Erben jemals wieder Geld verleihen, prüfen sie ab jetzt genau, ob der Schuldner seinen Verpflichtungen überhaupt nachkommen kann.“ Kann gut sein. Es blieb systemimmanent. Und deswegen muss dieses systematische Phantom zuerst dahin geschickt werden, wo er auch hingehört. Systemimmanent handelnd kriegen wir den Wendepunkt zum Leben nicht. Wie war es mit Jesus? Hat er da die Tische vor dem Gotteshaus nicht verworfen??

Ich bin kein Wirtschaftsexperte oder so. Und ich bringe oft Menschen zum Ärger – in der Hoffnung, dass sie ein „Kladderadatsch“ erleben und aufsteigen. Kriegsopfer können über „Kladderadatsch“ nicht lachen; und schon gar nicht davon profitieren! Bei mir entstand der Eindruck, dass Du sehr gerne geärgert werden möchtest. Hatte ich da keinen Riecher (??)

georgi hat gesagt…

Hallo Starosczyk!

Kein Mensch bestreitet hier Kolonialismus, Imperialismus, Wirtschaftskrisen und Inflation. Nur taugt eben die Zinskritik nicht als Erklärungsansatz für all das.

Zu Jesus' Zeiten herrschte die Subsistenzwirtschaft vor. Das bedeutet, die Leute produzierten für den eigenen Bedarf (und nicht für den Austausch wie in der Warenproduktion). Schulden waren eine gesellschaftliche Last genau wie Trunksucht. Deshalb galt beides als Sünde in allen drei großen Weltreligionen. Die heutige Gesellschaft beruht dagegen auf Warenproduktion. In einem solchen System, Schulden zu verbieten, ist absurd. Selbst dann, wenn man Kredite verbietet, wie beim islamic banking, stellen sich die negativen Folgen kapitalistischen Wirtschaftens ein, wie man in Dubai schön sehen konnte. Beim zinslosen Banking werden die Kredite nur schön verschleiert. Man sorgt dann eben dafür, daß Zinsen nicht Zinsen heißen, sondern zum Beispiel Mietkauf oder Pacht oder Dividende oder sonstwie. Das ist aber alles Augenauswischerei.

Starosczyk hat gesagt…

„Kein Mensch bestreitet hier Kolonialismus, Imperialismus, Wirtschaftskrisen und Inflation. Nur taugt eben die Zinskritik nicht als Erklärungsansatz für all das.“

Wie ich gesagt habe – betrete ich diese Bühne nicht als Wirtschafts- oder Zins-Experte. Diese Begriffe und Zustände sind dermaßen bekannt, dass „keiner“ sie wahrnimmt. Hast Du Georgi den Doku-Film auf ARD (der countdown läuft): http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=7495082 gesehen?

„Die heutige Gesellschaft beruht dagegen auf Warenproduktion. In einem solchen System, Schulden zu verbieten, ist absurd.“

Mindestens in diesem Punkt sind wir uns einig. „Verbieten“ ist sowieso soviel wie „Einladung“ für die erfinderischen Geister. Kannst Du dem Prof. Berger gar nichts abgewinnen?

georgi hat gesagt…

Nö, dem kann ich nichts abgewinnen. Ist ja alles kalter Kaffee. Es gab ja schon Bernd Senf, Helmut Creutz, Egon W. Kreutzer und viele andere vor ihm, die genau dasselbe schon vor ihm sagten.

Starosczyk hat gesagt…

Dadurch ist seine Positionierung nicht falsch und sein "Ruf-Riskieren" im System immerhin eine Tatsache. Vielleicht waren Senf, Creutz und Kreutzer genau wie unser Prof. zur falschen Zeit an falscher Stelle? Wenn solchen kritisch Denkenden keiner was abgewinnen kann, müssen sie eben „Leine ziehen“.

Starosczyk hat gesagt…

Vielleicht kannst Du dem gefallenen Engel was abgewinnen? http://www.youtube.com/watch?v=DuXB1a3NBCw

georgi hat gesagt…

Nö, mit Religion hab ichs nicht so.

Starosczyk hat gesagt…

Ach, sag bloß.

georgi hat gesagt…

Wie kommst Du denn darauf, daß ich irgendwas mit Religion haben könnte?

Starosczyk hat gesagt…

„Wie kommst Du denn darauf, daß ich irgendwas mit Religion haben könnte?“

Religio heißt rückbinden. Ich kann mir nicht denken, dass Du als Mensch ohne jegliche religiöse Bindung leben kannst – an der Grenze kannst Du an Dich selbst gebunden vegetieren, was ich nicht hoffe.

georgi hat gesagt…

Religion ist phantastische, verzerrende Darstellung der Realität, geistige Versklavung, ein Anachronismus noch dazu.

Du mußt einsehen, mein Fall ist hoffnungslos.

Wie ich im Blogposting schon schrieb, fehlt mir deshalb auch der Zugang zu Feminismus und insbesondere Matriarchalismus.

Starosczyk hat gesagt…

„Du mußt einsehen, mein Fall ist hoffnungslos.!

Ich muss gar nichts! Na ja, irgendwann werde ich wohl sterben… Wichtig ist, wie Du Dich selbst siehst.

„Religion ist phantastische, verzerrende Darstellung der Realität, geistige Versklavung, ein Anachronismus noch dazu.“

Und wieder muss ich Dir Recht geben. Da die Rückbildung aber lebensnotwendig ist (Labyrinth), finde ich Spiritualität wichtig. Spiritus verarbeiten die Polen auch zum Wodka! Ein Tropfen Alkohol – habe ich mir sagen lassen, verändert auf einer bestimmten Ebene die Persönlichkeit. Schon versucht???

georgi hat gesagt…

Nö, dazu bin ich zu vernünftig.

Starosczyk hat gesagt…

Trotzdem, wünsche ich Dir viel Spass.

georgi hat gesagt…

Danke.

Dr. Richard Albrecht hat gesagt…

Herr Georgi, Sie erwähnten mich andernorts.

Zugegeben: rechte wie linke Systemideologen von Luhmann bis Foucault sind mir ebenso zuwider wie der soziologische Dünnpfiff von Habermas (hier kritisiert: „Weltmacht Habermas“ - Mikroempirische Untersuchung zur Habermas-Rezeption in der deutsch(sprachig)en Netzenzyklopädie Wikipedia; Tönnies-Forum, 18 (2009) 2: 5-25; erweitert & actualisiert im Netz udT. HABERMAS - Porträt eines ganzdeutschen Ersatzintellektuellen in zwei Teilen http://www.duckhome.de/tb/archives/9060-HABERMAS-EIN-GANZDEUTSCHER-ERSATZINTELLEKTUELLER-1.html [und] http://www.duckhome.de/tb/archives/9061-HABERMAS-EIN-GANZDEUTSCHER-ERSATZINTELLEKTUELLER-2.html

Warum dies, ist in Allsterkürzestfassung hier begründet: „Subjektmarxismus“ (in: sosoziologie heute, 3 (2011) 15: 20-23; nochmal gekürzte Netzfassungen: http://www.kritiknetz.de/images/stories/texte/Subjektmarxismus.pdf [und] http://www.saarbreaker.com/2009/09/subjektmarxismus/#more-3083 ).

Mit freundlichem Gruß

RA, 120711
http://ricalb.files.wordpress.com/2011/07/cv.pdf

Richard Albrecht hat gesagt…

P.S.

Vermutlich weil ich etwas technisch falsch machte, blieb vorhin der dritte Absatz draußen vor. Er lautet/e:

Zur Sache - vor allem durch scheinakademischen Feminismus beförderte Männerfeindschaft - habe ich mich in diesem Jahr als Sozialwissenschaftler zwei Mal kritisch geäußert, hier:

http://www.duckhome.de/tb/archives/9202-GESCHLECHTERKAMPF.html (24. März 2011)

http://www.duckhome.de/tb/archives/9248-FEMINISMUS.html (24. Mai 2011)

Richard Albrecht, 120711²
http://gegen-den-strom.org

georgi hat gesagt…

Lieber Herr Dr. Albrecht!

Vielen Dank für Ihre Verweise!

Allerdings habe ich Mühe, den meisten Ihrer Ausführungen zu folgen. Insbesondere verstehe ich nicht, welche Position Sie vertreten. Verstanden habe ich noch, daß Feminismus in der hohen Politik bedeutet, Frauen zur Erwerbsarbeit zu bewegen. Auch Sozialisten finden das gut, weil Frauen damit wirtschaftlich unabhängig vom Lebenspartner werden, denn Frauen sind für ihre Kinder alleinverantwortlich. Die Arbeit, die sie für ihre Familie leistet, wird nicht bezahlt, und hindert sie daran, bezahlter Erwerbsarbeit nachzugehen. Diese Alleinverantwortung und die wirtschaftliche Abhängigkeit von jemandem, der diese unbezahlte Frauenarbeit finanziert, war traditionell das Kernproblem der vernünftigen Frauenrechtler. Auf der anderen Seite warnen Sie davor, den Lohnarbeiterstatus gesellschaftlich zu verallgemeinern. Diese Warnung fasse ich so auf, daß die unbezahlte Frauenarbeit nicht einer Industrie überlassen werden sollte. Ich finde, hier widersprechen Sie sich selbst.

Daß der Erwerbsarbeit das herausragende Gewicht als einziger, wertvollster oder wichtigster sozialer Aktivität zugemessen wird, verdanken wir dem Kapitalismus. Erwerbsarbeitsideologie ist die Ideologie des Kapitalismus. Der Kapitalismus bestimmt die Erwerbsarbeitsideologie. Unbezahlte Frauenarbeit wird nicht gewürdigt, sondern als Last angesehen. Mütter, besonders aber alleinerziehende Mütter, werden als Kostgänger der Gesellschaft betrachtet, obwohl sie mit ihrer unbezahlten Arbeit die Voraussetzungen für die kapitalistische Gesellschaft bereitstellen. Solange, wie kapitalistische Produktionsverhältnisse herrschen, werden wir das nicht ändern können. Bis zur kommenden proletarischen Revolution werden Frauen daher allein durch ihre natürliche Bestimmung, für die Reproduktion des Menschengeschlechts allein zuständig zu sein, auf wirtschaftliche Unterstützung der Gesellschaft angewiesen sein. Aus diesem Grunde kann man Feministen und Nicht-Feministen auch die Erwerbsarbeitsideologie nicht vorwerfen, solange sie nicht die proletarische Revolution anstreben.

Starosczyk hat gesagt…

Hallo

Feministin und ökologische Aktivistin Vandana Shiva, fasst es so zusammen: http://www.kontext-tv.de/

RA hat gesagt…

@ georgi

denn man(n) tau;-) Herr Georgi

Vogel hat gesagt…

Tach georgi.
Bin über die Kommentarspalte bei SF, Deinem Link dort, hierreingerutscht. 'S iss ganz nett hier, auch interessant.
Die Rede von Frau Prof. "Ich-kann-keine-Rede-halten" hab' ich versucht, mir anzuhören, was ich mitbekommen habe, hatte Hand und Fuß ... bis dann meine Stirn auf die Tastatur schlug: eingeschlafen.
Was lernen wir? Mit so 'nem komischen Namen sollte man auch die beste Rede nich halten. Frau Prof., Vertbesserungsvorschlag: Lassen Sie Ihre Manuskripte vortragen.

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